Pusztaranger

Rechtsextremer Bürgermeister veranstaltet öffentliche Hinrichtung von Netanjahu und Peres

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Der rechtsextreme Bürgermeister von Érpatak rief zu einem „Protest gegen den Völkermord des israelischen freimaurerischen Terrorstaates“ auf. Die Ankündigung wurde von der ungarischen Nachrichtenagentur MTI im Wortlaut übernommen und erst nach Medienprotesten von der Webseite entfernt. Höhepunkt der Veranstaltung am 2.8. war die symbolische Hinrichtung von Benjamin Netanjahu und Schimon Peres durch den Strang.

Mihály Zoltán Orosz, der rechtsextreme Bürgermeister der ungarischen Ortschaft Érpatak (ca. 1800 Einwohner), bekannt geworden durch sein law &  order-Regiment gegen Roma („Érpataker Modell„), ließ als Höhepunkt seiner kommunalen Veranstaltung „Protest gegen den Völkermord des israelischen freimaurerischen Terrorstaates“ am 2.8.2014 den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Ex-Präsident Schimon Peres von einem Henker in effigie hängen.

[Update 5.8.2014: Die Polizei war vor Ort, Bild s.u.]

In seiner Ansprache erklärte er, Israels Regierung stünde im Dienst des Antichtristen und bereite sein Kommen vor, weshalb sie keine Kugel, sondern die entwürdigendste Hinrichtungsart, den Strang verdienten.

Zuvor hatte er unter dem Applaus der Teilnehmenden eine mit dem Freimaurersymbol versehene Israel-Fahne zertreten. (444, nol, atv)

Mitveranstalter waren neben der Gemeinde Érpatak das „Landesnetzwerk des Érpataker Modells“ (s.u.) sowie die rechtsextreme Jugendbewegung der 64 Burgkomitate (HVIM).

[Update 5.8.2014: Es waren auch Jobbik-Aktivisten zugegen, Bilder s.u.]

Staatliche Nachrichtenagentur MTI veröffentlichte Ankündigung

Die staatliche Nachrichtenagentur MTI hatte die Ankündigung dieser Veranstaltung („Protest gegen den Völkermord des israelischen freimaurerischen Terrorstaates“) letzte Woche bei ihrem Pressedienst für die Kommunen (ÖS) als Mitteilung einer lokalen Behörde im Wortlaut publiziert.

Nach Protesten durch den Verband der ungarischen Journalisten (MÚOSZ) am 1.8. wurde die Ankündigung nach drei Tagen wieder vom Netz genommen.
Laut MÚOSZ hatte MTI mit dieser Ankündigung gegen die eigene Satzung verstoßen, in der es heisst: „Mitteilungen des ÖS dürfen nicht verfassungswidrig oder rechtswidrig sein, gegen den guten Geschmack oder die öffentliche Moral verstoßen, nicht gegen Persönlichkeitsrechte und das Briefgeheimnis verstoßen, sowie den guten Ruf und die Geschäftsinteressen der ÖS bzw. der MTI gefährden, desweiteren dürfen sie keine offensichtlichen Unwahrheiten beinhalten. Mitteilungen des ÖS dürfen nicht zu Demonstrationen und Boykottaktionen mobilisieren.“ (muosz, hvg)

Der Henker und die beiden Galgen kamen bereits im Juni auf einer Performance gegen Gericht und Staatsanwaltschaft von Nyíregyháza zur Anwendung, als deren Opfer Orosz sich in einem gegen ihn laufenden Verfahren sieht, s. Post Rechtsextremer Bürgermeister demonstriert mit Galgen gegen die Justiz, 18. Juni 2014. Hier allerdings wurde symbolisch die ungarische Justiz hingerichtet, keine ihrer konkreten Vertreter.
Aktuell engagiert Orosz sich “tatkräftig” mit Jobbik für die Vertreibung der ca. 800 Bewohner eines Miskolcer Armenviertels, siehe Post Miskolc: Romaviertel soll Luxusstadion weichen, 15. Juni 2014. Zuletzt hatte er sich als Gegendemonstrant beim Budapest Pride betätigt.

Orosz‘ “Modell von Érpatak” ist mittlerweile ein “landesweites Netzwerk” mit  “Basen” in insgesamt 13 Gemeinden, eine davon im VIII. Budapester Bezirk.

Das Weltbild des Jobbik-nahen parteilosen Bürgermeisters – und wie er es artikuliert – deckt sich mit den vom rechtsextremen regierungsnahen EchoTV verbreiteten Verschwörungstheorien eines Ferenc Szaniszló. Dies wird deutlich in der halbstündigen wahnhaften Tirade, mit der Orosz einen freien Fotografen empfing, der über die von MTI öffentlich angekündigte Veranstaltung berichten wollte (hier im Video, Ungarisch; Bericht auf Gépnarancs).

Mehr zu Orosz im hervorragenden SWR2 Feature “Das Modell von Érpatak. Wie ein rechtsextremer Bürgermeister Ungarn verändert” von Keno Verseck (19.3.2014).

Hintergrund: Die „Solidarität“ der ungarischen Rechtsextremen mit „den Palästinensern“

Die ungarischen Rechtsextremen, d.h. Jobbik und das Spektrum rechts von Jobbik, solidarisieren sich seit Jahren mit den Palästinensern, die sie wie die Magyaren als „von Israel kolonisiertes und unterdrücktes Volk“ betrachten.

Als klaren Beleg für die vermeintliche Kolonisierungsabsicht Israels gegenüber Ungarn werten sie die scherzhafte Äußerung von Schimon Perez auf einer Tagung von Immobilienhändlern in Tel Aviv 2007, »wir kaufen Manhattan auf, wir kaufen Polen auf, wir kaufen Rumänien auf und wir kaufen Ungarn auf”. Der Hassprediger Lóránt Hegedűs jr. hatte als Reaktion auf Peres‘ Äußerung 2007 eine Initiative namens HAMASZ als „Rettungsmaßnahme für das von Israel bedrohte Ungarn“ gegründet, die von der „Besetzung Ungarns durch Israel mit wirtschaftlichen Mitteln“ sprach und die Überprüfung aller israelischer Firmen und Privatpersonen in Ungarn forderte, siehe Post. Ein erneuter Vorstoß in diese Richtung war 2012 die Forderung des Jobbik-Abgeordneten Márton Gyöngyösi nach der Offenlegung der Parlamentsabgeordneten und Regierungsmitglieder jüdischer Abstammung und  mit israelischer Staatsbürgerschaft (“nationales Sicherheitsrisiko”), s. Post.

Am 16.7.2014 hatte Jobbik sich wie mehrfach in der Vergangenheit an einer Demonstration in Ungarn lebender Palästinenser gegen die israelische Bombardierung des Gaza-Streifens beteiligt und am 24.7. mit mehreren hundert Menschen vor der israelischen Botschaft in Budapest gegen den „zionistischen Völkermord“ demonstriert und die Einstellung der diplomatischen Beziehungen zu Israel gefordert. Ein deutscher Bericht ist auf freies-oesterreich.net zu finden.

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Ankündigung: „Ehre den unbekannten palästinensischen Helden! Gerechtigkeit für Palästina! Kommunales und ziviles Treffen gegen den Völkermord des weltkolonisierenden freimaurerischen israelischen Terrorstaates!“

(rechtsextreme Portale)

(Fotos: 444.hu)

[Update 5.8.2014: Folgende Fotos von Csaba Móricz, dem Fotografen vor Ort (Quelle). Demnach waren auch Jobbik-Aktivisten zugegen, und die Polizei. Hier ist auch das Publikum zu sehen.

Update Ende.]

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