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Verbotene Ungarische Garde marschiert legal vor dem Sitz des Staatspräsidenten auf

8. September 2014

In Budapest und der Provinz fanden Ende August die alljährlichen legalen Gardevereidigungen statt; in Budapest erstmals seit 2007 vor dem Sitz des Staatspräsidenten. Zudem weihten Garden und Jobbik das erste Gendarmerie-Denkmal Ungarns sowie eine von der Regierung renovierte rechtsextreme Kultstätte auf dem Budapester Farkasrét-Friedhof ein.

Nachdem die Nachfolgeorganisationen der verbotenen ungarischen Garde ihre Mitgliedervereidigung in den letzten Jahren legal auf dem Heldenplatz abgehalten hatten (2012, 2013), konnte sie 2014 erstmals seit der Gründung der Garde 2007 wieder auf dem Budaer Burgberg vor dem Sándorpalais, dem Sitz des Staatspräsidenten stattfinden.

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(Gardenseite)

Die Ungarische Garde und ihre diversen Nachfolgeorganisationen verstehen sich als Neugründung der Gendarmerie unter Horthy und damit als zivilgesellschaftliche Alternative zu den staatlichen Ordnungskräften.
Mit der polizeilichen Genehmigung dieses Veranstaltungsortes  ist die Veranstaltung vom 28.8. der Vereidigung der staatlichen Ordnungskräfte symbolisch sehr nahegerückt: Seit 201o werden die Absolventen der Nationalen Universität für öffentlichen Dienst, die Offiziere von Polizei und Armee, ebenfalls auf der Burg und auf eine Kopie der „Heiligen Krone“ vereidigt, s.Post Ein Volk, eine Krone: Die Vereidigung von Gardisten und Polizisten, 25. August 2013.

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 Gardevereidigung auf eine Kopie der „Heiligen Krone“ 2014

(Polizeiseite, 2013)

Auf der Gardevereidigung wurde das 2007 anlässlich der Gardegründung entstandene Gedicht „Ungarische Garde“ des rechtsextremen, antisemitischen Autors Péter Szentmihályi Szabó vorgetragen. Im Juli hatten internationale Proteste seine Ernennung zum ungarischen Botschafter in Italien verhindert, siehe Post.

Erstes Gendarmerie-Denkmal Ungarns eingeweiht

Auch in der Provinz fand wieder eine Mitgliedervereidigung statt. In Csókakő, wo bereits 2012 eine Horthy-Büste errichtet wurde, enthüllte die Neue Ungarische Garde Ende August mit Jobbik, den rechtsextremen  Jugendbewegung 64 Burgkomitate (HVIM) und Betyársereg sowie dem rechtsextremen Bürgermeister von Érpatak, Mihály Zoltán Orosz ein neues Denkmal der ungarischen Gendarmerie.
Das Denkmal wurde vom reformierten Jobbik-Pastor Lóránt Hegedűs jun. gesegnet. Im Anschluss spielten bekannte rechtsextreme Bands, u.A.  Radical Hungary und Romantikus Erőszak.

Die ungarische Gendarmerie führte 1944 die Deportationen der ungarischen Juden aus der Provinz durch. Ihre Rehabilitierung ist das Hauptprojekt des Militärhistorikers und ehemaligen Vizerektors der Nationalen Universität für öffentlichen Dienst, Sándor Szakály, der Anfang des Jahres zum Leiter des neuen staatlichen Instituts für Geschichtsforschung Veritas ernannt wurde, s. Post.

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Regierung renoviert rechtsextreme Kultstätte

Auf dem Budapester Friedhof Farkasrét weihten Jobbik und die Neue Ungarische Garde Ende August das renovierte Grab des Freischärlers Tibor Vámossy ein,  der 1921 im “Freiheitskampf in Westungarn” den “Heldentod” starb. Der katholische Pfarrer Péter Lőrincz weihte das Denkmal.
Das Verteidigungsministerium hatte das im Krieg beschädigte Grab auf Betreiben von Jobbik renovieren lassen, die offizielle Einweihung jedoch ins Ungewisse verschoben, siehe ausführlich bei Hungarian Spectrum: Jobbik-Fidesz cooperation: The case of the Western Hungarian Uprising of 1921, 24.8.2014 und Post vom November 2012: Der ungarische Staat finanziert Renovierung einer rechtsextremen Kultstätte. Darum organisierte Jobbik am 28.8. die Einweihung in Eigenregie und mit römisch-katholischer Liturgie.

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Das Grab als Denkmal  der “Rongyos Gárda“, Horthys Freischärlertruppe “Lumpengarde” (weißer Terror, Massaker von Orgovány 1919 an Anhängern der Räterepublik und an Juden; Besetzung des Burgenlandes 1921; Truppe reaktiviert 1938) wird von Rechtsextremen seit Jahren als Kultstätte bespielt. Die Ungarische Garde und ihre diversen Nachfolgeorganisationen betrachten auch die Rongyos Gárda als ihr historisches Vorbild und halten bei diesem Grab seit Jahren Gedenkveranstaltungen ab.

Verteidigungsminister Csaba Hende hatte Jobbik-Vize Elöd Novák unter anderem geschrieben, Vámossy habe sein Leben zwar nicht als Soldat, sondern als Freischärler gelassen, jedoch im Kampf gegen eine „ungerechte internationale Entscheidung“ (Ungarische Gebietsverluste durch den Friedensvertrag von Trianon 1920) und „ausgesprochen im Interesse des Schutzes der territorialen Einheit unseres Landes. Darum ist die Pflege seines Gedenkens unser aller Pflicht.“ Zuletzt schrieb er Jobbik: „Die Verdienste der Rongyos Gárda, die sie bei ihren Bemühungen zum Schutz des Territoriums unseres Vaterlandes erworben hat, werden von der Regierung und dem Verteidigungsministerium natürlich anerkannt.“  (Jobbik)

Fotos

2007:

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(Gründung der Ungarischen Garde 2007 vor dem Sándor Palais. Bild vom Blog des stellvertretenden Staatssekretärs Ferenc Kumin, der 2013 erklärte, die Garde würde nicht mehr marschieren und Ungarn sei durch das Gardeverbot sicherer geworden. Bildquelle gondola.hu)

 2014:

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Der Jurist Tamás Gaudi-Nagy,  Jobbik-Abgeordneter 2010-2014, Vorstandsmitglied der Nationalen Rechtsschutzstiftung NJA, die die juristische Verteidigung der Garde übernahm. Seine letzte Amtshandlung als Abgeordneter im Februar war, die EU-Flagge aus dem Parlament zu „entsorgen“, s. Post.

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Budapest, Friedhof Farkasrét

Vor dem Zweiten Weltkrieg und frisch renoviert:

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(Internet)

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One Comment leave one →
  1. Don Kichote permalink
    9. September 2014 09:25

    Das Csaba Hende Liebesbriefe an die Jobbik sendet verwundert nicht.

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