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Kommunalwahlen 2014: Wegen Rassismus entlassener rechtsextremer Lehrer wird Bürgermeister

17. Oktober 2014

Als Lehrer untauglich, als Bürgermeister nicht: Der frisch gewählte rechtsextreme Bürgermeister von Konyár will in seiner Gemeinde das Érpataker Modell einführen.

Szilárd Vígh, der neue Bürgermeister der ostungarischen Gemeinde Konyár (ca. 2.000 Einwohner) war Anfang 2013 von der zentralen Schulbehörde KLIK als Geschichtslehrer der Grundschule von Konyár entlassen worden. In einer Rede auf einer rechtsextremen Veranstaltung in Érpatak hatte er unter anderem erklärt, Romakinder seien nur durch physische Gewalt zu disziplinieren.

Nach seiner Entlassung bekundete Jobbik im März 2013 ihre Solidarität mit einem  Fackelzug in Konyár („Marsch des ungarischen Lebens“, in Anspielung auf den alljährlichen Holocaust-Gedenkmarsch „Marsch des Lebens“ in Budapest).

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„Schluss mit dem Zigeunerterror! Schluss mit der Einschüchterung der Lehrer!“ (galamus.hu)

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(MTI/Czeglédi Zsolt)

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Vígh (re) Mihály mit Zoltán  Orosz, dem Bürgermeister von Érpatak. (Jobbik.hu)

Im September 2013 hielt ein Bus mit rechtsextremen Fußballfans, darunter Szilárd Vígh, auf dem Weg zum Spiel Ungarn gegen Rumänien in Konyár unmittelbar vor der Schule. Laut Augenzeugenberichten bewarfen die betrunkenen Hooligans die Schule mit Bierflaschen und brüllten rassistische Parolen gegen Roma, einige urinierten vor dem Gebäude.

Eine sechsjährige Schülerin berichtete damals: „Sie haben gesagt, kommt raus, ihr verdammten Zigeuner, gleich kommen wir rein und schlagen euch zusammen. Die Lehrerin sagte, wir sollen uns verstecken, denn wenn sie reinkommen, wird es sehr schlimm.“ Die Schüler versteckten sich unter den Schulbänken und in den Toiletten.

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(Quelle)

Die Polizei konnte damals keine Straftaten und Ordnungswidrigkeiten feststellen, die Businsassen hätten lediglich eine Zigarettenpause eingelegt und die Székler- sowie die Nationalhymne gesungen. Sie nahm die Personalien der Businsassen auf und ließ sie weiterfahren.

Mit dieser Vorgeschichte wurde Szilárd Vígh, der als unabhängiger Kandidat angetreten war, bei einer Wahlbeteiligung von 57% mit 37 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

„Die Bürger von Konyár haben ausgesprochen, dass wir sowohl in als auch außerhalb der Schule Ordnung wollen“, erklärte er.

Er will in seiner Gemeinde nun das „Érpataker Modelleinführen.

Der Vorsitzende der Roma-Selbstverwaltung spricht von einem „Notstand“ für die Roma von Konyár. „Er trat als Unabhängiger an, aber wir und alle wissen, dass ein Jobbik-Bürgermeister gewonnen hat“, so Jenő Gyöngyösi.

Gyöngyösi wurde im April 2014 vom Debrecener Gericht zu einer Geldstrafe von 100 000 HUF verurteilt; Jobbik hatte ihn auf Schadensersatz verklagt, weil er im Zusammenhang mit dem Vorfall vor der Schule den Medien gegenüber gesagt hatte, „Jobbik kamen mit einem Bus in die Stadt.“

(atv, kapcsolat.hu, atv, 444, tasz.hu, tasz.hu, Hungarian Spectrum, nol.hu)

4 Kommentare leave one →
  1. sascha313 permalink
    18. Oktober 2014 09:07

    Etwas Ähnliches wie diesen „Marsch des ungarischen Lebens“ veranstalten auch die ukrainischen Faschisten mit ihrem „Marsch der Helden“ in Kiew und Charkow. Die Namen und Methoden sind verschieden – der Faschismus ist ist dem Wesen nach überall gleich: er ist die „offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“ (Dimitroff).
    //Link gelöscht – wer den rassistischen Begriff „Zigeunerterror“ (s.u.) benutzt, bekommt von hier keinen Traffic und wird in Zukunft komplett gelöscht.//
    Elég volt a cigányterrorból, elég volt a fasizmusból!

  2. 19. Oktober 2014 14:29

    Hat dies auf Der Paria rebloggt.

  3. sascha313 permalink
    19. Oktober 2014 20:20

    Wer nimmt sich hier das Recht heraus, LInks zu Löschen, die auf die Ursachen des Faschismus hinweisen??? In meinem Link gab es keinen „rassistischen Begriff“! Offenbar ist hier die Zensur nicht daran interessiert, daß die sozialen Wurzeln des Faschismus aufgeklärt werden?!

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