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Pusztaranger in den Tagesthemen

12. Januar 2012

Der Blog wurde gestern in den Tagesthemen erwähnt. Thema des Beitrags „Zehntausende demonstrieren gegen Ministerpräsident Orban“ (hier, ab 17:21) ist die ungarische Protestkultur im Internet. Im Zusammenhang mit der Nachrichtenmanipulation im ungarischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen vom 2.1. heißt es: „Regierungskritische Plattformen wie die Pusztaranger sorgen dafür, dass solche Manipulationen aufgedeckt werden.“ (bei 20:00)

Dafür sorgen in erster Linie jede Menge ungarische Blogs, von denen ich meine Informationen beziehe (hier konkret EgyenlitoTV auf Facebook), aber ich will mich gar nicht beschweren, bei Pusztarangers knallen gerade die Korken. Vielen Dank, Frau Stadler.

Das für den Beitrag entstandene Interview konnte nicht mit aufgenommen werden, darum hier auf dem Blog:

Update: Hier das Interview auf Tagesschau.de: Interview zur Lage in Ungarn – „Die machen, was sie wollen – solange es geht“. Unten die ursprüngliche Version, leicht gekürzt.

ARD-Interview mit Pusztaranger

Hilde Stadler, ARD Studio Südosteuropa, Wien.

11.1.2012

Sie willigen in ein Interview mit uns ein, aber nur anonym (…). Vor einem Jahr begründeten Sie das, anlässlich eines Radio-Interviews, mit Drohungen und Hasstiraden seitens ungarischer Rechtsextremisten. Sind es noch immer die gleichen Gründe oder gibt es inzwischen noch andere?

Das ist nach wie vor aktuell, aber seit 2010 beschäftige ich mich nicht mehr nur mit Jobbik & Co, sondern auch mit der Orbán-Regierung. Ich weiss, dass der Blog von regierungsnahen Kreisen gelesen wird. Mittlerweile habe ich Insiderinformationen von mehreren Leuten bekommen, die in Ungarn im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, und wenn die mit mir in Zusammenhang gebracht werden, sind sie ihren Job los. Dank einer bereits vor Monaten verabschiedeten Gesetzesänderung geht das heutzutage im Handumdrehen. Inzwischen werden sogar unliebsame Personen rausgeschmissen, die trotz dieser Gesetzesänderung eigentlich in ihrer Eigenschaft als Gewerkschaftsführer Kündigungsschutz hätten, zum Beispiel die beiden Initiatoren des Hungerstreiks vor der Fernsehzentrale Balázs Nagy Navarro und Aranka Szávuly, und der Feuerwehrgewerkschafter Kornél Árok von der ungarischen Solidaritätsbewegung.

Wir haben in Budapest nach Ihnen gefragt. Die meisten kannten Ihre Webseite und Ihren Blog, wussten aber nicht, wer Sie sind und wo Sie sind.

Das soll auch so bleiben. Der Bekanntheitsgrad freut mich, aber mir geht es um die Sache, nicht um meine Person.

(…)

Warum der Name: Pusztaranger?

Ursprünglich war das Thema des Blogs der Rechtsextremismus in Ungarn, ich habe angefangen, nachdem Jobbik bei den Europawahlen 2009 auf fast 15% kamen. Der Name sollte etwas mit den üblichen deutschen Ungarn-Klischees zu tun haben und sie gleichzeitig unterlaufen. Ungarn ist ein sehr spezielles rechtsextremes Biotop, und ein Ranger ist einer, der einen Landschaftsraum oder ein Naturschutzgebiet beobachtet.

Auf Ihrer Webseite sieht man links einen Ochsenschädel auf einem Eimer, rechts einen Trabant. Was möchten Sie damit ausdrücken?

Das quasi totemistische Ensemble hat mir gefallen – ein Schweineschädel auf einem umgestülpten Gulaschkessel. Die Sau ist aufgegessen, der Gulaschkessel leer, der uralte Trabi hat schon vor Jahren den Geist aufgegeben, und in der ehemaligen „fröhlichsten Baracke“ passieren nun sehr seltsame Dinge.

Warum betreiben Sie diese Internetseite, Ihren Blog? Warum in deutscher Sprache? Was möchten Sie bewegen, erreichen? Wie ist Ihre bisherige Bilanz? Welche Resonanz erhalten Sie auf Ihre Internetseite, Ihren Blog?

Ich muss das tun, ich kann nicht anders. Ich will Informationslücken füllen, deutschsprachig über die Situation und die Entwicklungen in Ungarn informieren, die meiner Meinung nach in den deutschsprachigen Medien zu kurz kommen, inklusive den Antisemitismus und Antiziganismus, der von regierungsnaher Seite gerne beschönigt oder ausschließlich Jobbik zugeschrieben wird. Dabei habe ich nicht den Anspruch, das „objektiv“ und „ausgewogen“ zu tun; wenn mir etwas als wichtig auffällt, mache ich etwas dazu. Derzeit ist das Tempo so schnell, dass ich parallel mindestens fünf halbfertige Posts habe, die es nicht auf den Blog schaffen, weil ständig schon der nächste Hammer kommt.

Meine Bilanz ist positiv, der Blog hat gute Zugriffszahlen (aktuell knapp 150.000 seit Juli 2009; davon 106.000 nur 2011), und auf der Facebook-Seite ist auch immer viel los, dort sind sehr interessante Kontakte entstanden. (…) Facebook-Freunde, auf die ich besonders stolz bin, sind unter anderem die Initiatoren des Hungerstreiks vor der Fernsehzentrale Balázs Nagy Navarro und Aranka Szávuly; Kornél Árok von der Solidaritätsbewegung; Attila Ara-Kovács, Mitunterzeichner des Neujahrsbriefes ehemaliger Dissidenten «Von der Demokratie in die Diktatur», und György Dalos.

Ich weiss, dass deutschsprachige Journalisten sich bei mir Anregungen holen und meine Presseschau ihnen bei der Arbeit hilft. Dafür hat sich neulich einer mit einer Geldspende revanchiert. Das hat mich sehr gefreut, aber ansonsten ist der Blog komplett ehrenamtlich und unabhängig. Das rechte Spektrum in Ungarn denkt gern, dass Kritiker der Orbán-Regierung von den Sozialisten oder gar der „jüdischen Weltverschwörung“ finanziert werden. Wenn so etwas kommt, sage ich gerne, ich bin ein stolzes Mitglied der „jüdischen Weltverschwörung“, aber eben komplett ehrenamtlich.

Als Journalisten beobachten wir, dass in Ungarn die Protestkultur gegen den autokratischen Kurs von Ministerpräsident Orbán innerhalb der Zivilgesellschaft wächst und immer neue, sehr kreative Formen findet. Vieles findet im Internet statt, organisiert von jungen Leuten. Ist das auch Ihre Beobachtung? Ist es ein Phänomen, das sich auf die Hauptstadt Budapest konzentriert oder findet man es auch in der Provinz?

Derzeit gibt es zum Beispiel wieder eine Großaktion von MILLA, „Eine Million für die Pressefreiheit“, am Staatsfeiertag, dem 15. März (hochsymbolisches Datum!) auf der „Strasse der freien Presse“ einen alternativen Staatspräsidenten zu ernennen. Man kann sich mit kurzen Videostatements bewerben, „Was ich machen würde, wenn ich Präsident wäre“. Sie schreiben sinngemäß, die Massendemos können verpuffen, was kann jeder Einzelne tun, um etwas zu verändern, und damit ein Vorbild für andere sein. Es ist ein Spiel, gut gemacht und dürfte wieder zu einer Großdemonstration werden.

Ansonsten passiert im Internet derzeit alles Wesentliche – so ist für die Mobilisierung und Vernetzung der demokratischen Opposition Facebook absolut zentral. Das wird auch von Neelie Kroes, der EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, gesehen, aber da ist sie meiner Ansicht nach zu optimistisch. In ihrem Blog schrieb sie neulich, Ungarn wäre zu 98% mit Breitband-Internet versorgt.

„(…) we have continued to push for the expansion of the internet and the opportunities it provides, including as a vehicle for new media and free expression. That is significant, because however worrying the general media environment may be in Hungary, the opportunities of Hungarians to express themselves and access the opinions of others has grown immeasurably because 98% of Hungarians now have access to broadband internet.“

Das ist meiner Beobachtung nach nicht zutreffend, da gibt es immer noch ein starkes Stadt-Land-Gefälle, und definitiv eine Generationenkluft. Auf dem Land kann man vielleicht zu den Öffnungszeiten in die Dorfbibliothek gehen, oder die Kids haben Netz in der Schule, aber das bedeutet definitiv nicht, dass eine ausreichende flächendeckende Versorgung gewährleistet ist, wenn sich jemand regelmäßig über die Situation informieren und politisch engagieren will. Auf dem Land schaut man Fernsehen oder hört das sogenannte öffentlich-rechtliche Radio, und man weiss ja inzwischen, dass die manipuliert sind. Nach der Demonstration vor der Oper mit fast 100 000 Menschen kamen wir bei Freunden auf dem Dorf an, und die Nachbarn hatten absolut nichts davon mitbekommen.

Was ich hier wichtig finde zu betonen ist die Rolle des Internets für die dezentrale Organisation der demokratischen Opposition. Kreative Protestformen sind schön und gut, aber solange nur Budapester Intellektuelle auf die Straße gehen, wird sich nicht viel ändern. Die ungarische Solidaritätsbewegung mobilisiert aber landesweit, und bei der Demo am 2.1. waren, soweit ich gehört habe, tatsächlich alle Komitate vertreten, die Leute in der Provinz haben sich Busse und Fahrgemeinschaften organisiert. Das sind sehr positive Entwicklungen, die auch aus dem Ausland unterstützt werden sollten. Denn wer sich in der ungarischen Provinz – alles außer Budapest – politisch engagieren oder auch nur seinen Unmut über die Regierung ausrdücken will, greift auf die Strukturen zurück, die im lokalen Umfeld präsent sind. Und in der durchschnittlichen Dorfkneipe ist das Jobbik, die sind überall.

Ungarn ist in erheblichen Finanznöten und braucht Geld von der EU und dem IWF. Könnte man über den Hebel Kreditvergabe Druck auf Orban und seine Regierung ausüben?

Ich wüsste nicht wie sonst. Dass sie nicht auf diplomatische Töne hören, konnte die US-Botschafterin neulich bestätigen. Die machen was sie wollen, solange sie können. Derzeit ist noch nicht abzusehen, was passiert. Meine derzeitige Prognose ist, Orbán wird keinen Kompromiss mit dem IWF schließen und auch nicht zurücktreten, der fährt das Land lieber wirtschaftlich an die Wand und gibt den „internationalen Mächten“ die Schuld, die sich „gegen Ungarn verschworen“ haben.

Was erwarten / erhoffen Sie sich von der europäischen Öffentlichkeit?

Dass Ungarn im Fokus bleibt und die demokratische Opposition im Ausland mediale und konkrete Unterstützung findet.

Von der EU?

Ein Grundrechteverfahren nach Artikel 7. Generell vermisse ich klare Worte besonders von der deutschen Regierung; klare Worte nicht nur von EU-Sozialisten und Grünen, sondern auch von der EVP. Selbst denen sollte doch allmählich dämmern, dass ihr Wertekanon nicht deckungsgleich mit dem von Viktor Orbán ist.

Vom IWF?

Christine Lagarde sagte neulich auf CNN, sie sind kompromisslos, aber werden den Verhandlungstisch nicht verlassen. Anders geht das wohl auch nicht. Zu begrüssen wäre, wenn sich die vom IWF angekündigte Kompromisslosigkeit zumindest in Bezug auf EU-Kredite nicht nur auf Finanzdinge beschränken, sondern auch die Wiedereinführung grundlegender Elemente der Demokratie wie die Unabhängigkeit der Justiz und Medien- und Pressefreiheit beinhalten würde.

Am kommenden Mittwoch will die EU-Kommission das Ergebnis ihrer Prüfung bekannt geben, ob die neuen Zusatzgesetze (Hauptgesetze) zur neuen Verfassung mit EU-Recht konform sind. Was erwarten Sie aus Brüssel?

Ich bin kein Jurist, aber es würde mich schon sehr wundern, wenn die mit EU-Recht konform wären.

*

Update 12.1.: Heutige Blogstatistik:

18 Kommentare leave one →
  1. Magdalena Marsovszky permalink
    12. Januar 2012 06:33

    Gratuliere, lieber PR!
    Endlich eine große Anerkennung – zu Recht!

    Herzlich, M.M.

    • pusztaranger permalink
      12. Januar 2012 07:06

      Danke sehr. Heute 1500+ Seitenzugriffe schon um acht Uhr morgens. Willkommen neue LeserInnen.

  2. frank Seiffert permalink
    12. Januar 2012 07:43

    Nochmals: BRAVO + auch Dank!

    Nebenbei habe ich gelacht, als ich las:
    Wenn so etwas kommt, sage ich gerne, ich bin ein stolzes Mitglied der „jüdischen Weltverschwörung“, aber eben komplett ehrenamtlich.

  3. 12. Januar 2012 07:57

    Schönes Interview. Aber klar, dass das in der Länge nicht in die Tagesthemen gepasst hat. Wird dann vielleicht für einen ARD-Brennpunkt wiederverwertet, wenn die Verhandlungen tatsächlich abgebrochen werden und Ungarn bankrott ist. So sehr mich das für Pusztaranger freuen würde, hoffe ich aber doch, dass dieser Sendeplatz nicht zustande kommt…

  4. Demokratischer Student permalink
    12. Januar 2012 07:59

    Ich gratuliere ihnen zu diesem ganz hervorragenden Blog und ihrer geleisteten Arbeit. Zwar betrachtete ich die Entwicklung in Ungarn schon länger mit Sorge, doch auf ihre Arbeit machte mich erst die Tagesschau aufmerksam.
    Lassen sie sich bitte nicht von denen unterkriegen die nur ohne Argumente schreien können und bleiben sie bei ihrer Linie, solange bis ihnen der eigene Verstand etwas anderes befiehlt. Ihr Interview war sehr interessant und vor allem kam es für mich persönlich sehr ehrlich rüber. Besonders der Satz „Dabei habe ich nicht den Anspruch, das[ihre Arbeit hier im Blog] „objektiv“ und „ausgewogen“ zu tun; wenn mir etwas als wichtig auffällt, mache ich etwas dazu.“ hat mir doch sehr imponiert. Das Bild ihres eigenen Selbstbildes(schreckliche Formulierung, tut mir Leid =) ), welches sie mir vermittelten ist ein sehr positives und ihre Arbeit eine ehrenwerte.
    Die Demokratie als System mag nicht perfekt, oder auch nur besonders effektiv sein, aber sie ist das beste was wir haben.
    Ich wünsche ihnen nur das Beste und hoffe Sie haben noch lange die Möglichkeit und Motivation weiterzumachen.

    Mit freundlichsten Grüßen aus Deutschland
    ein Student

  5. 12. Januar 2012 08:18

    Betrachte immer die helle Seite der Dinge!
    Und wenn sie keine haben?
    Dann reibe die dunkle, bis sie glänzt.

    (Skandinavisches Sprichwort)

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Arbeit!

    Th. L.

  6. Dirk permalink
    12. Januar 2012 08:32

    Ja, bei tagesschau.de ganz oben auf der Seite – im Moment.
    Ich beobachte die Führung von Ungarn seit längerem mit höchster Sorge, und wundere mich, dass bisher – meines Wissens nach – noch niemand in der deutschsprachigen Presse in Bezug auf die „Fidesz“-Initiativen das Wort „Ermächtigungsgesetz“ in den Mund genommen hat. (Zugegeben, ich hab den Blog nun noch nicht durch…)
    Das aber sind doch die stattgefundenen Parlamentsbeschlüsse: eine Kette von Ermächtigungsgesetzen!

  7. JoeBlack permalink
    12. Januar 2012 09:19

    Bei tagesschau.de ganz oben, so bin ich auf diesen Blog gekommen. Ich wünsche noch viel Erfolg. Ist schon erschreckend, was da in Ungarn passiert. Gerade für jemanden der aus Deutschland zuschaut. Schließlich hatten wir den Nazi-Terror schonmal. Nationale Revolution und so. Und die Gleichschaltung von Medien und Justiz kannte auch das DDR-Regime. Dort sollte es bis in die 50er hinein zwar demokratisch aussehen (wegen möglicher Wiedervereinigung), aber die Macht lag nur in den Händen der radikalen Kommunisten.

    Die Bundesrepublik wird ja gern mal kritisiert, wegen des Umgangs mit der Nazi-Vergangenheit (besonders in den 50ern). Aber bei uns wird wenigstens diskutiert und ich lebe mittlerweile echt gerne in Deutschland. In Ungarn stellt man nun Ortsschilder in Runenschrift auf… Ich bin selbst eher traditionell eingestellt, gerade deswegen hasse ich dieses Nazi-Gesocks wie die Pest. Denn sie haben die deutschen Traditionen missbraucht und pervertiert. Schade, dass die Erkenntnis in Ungarn noch nicht soweit ist.

    Ich habe heute morgen mal bei der Ungarischen Tourismuszentrale in Deutschland angerufen und meinem Unmut Luft gemacht. Warum soll ich meine Euros am Balaton ausgeben, dort wo die Medien zensiert, die Justiz gleichgeschaltet und die Notenbank nicht mehr unabhängig ist? Da fahre ich doch lieber nach Irland, Portugal oder Griechenland. Die können auch jeden Euro gebrauchen und wählen keine Rechtspopulisten. Kann jedem nur empfehlen, dort auch anzurufen:

    http://www.ungarn-tourismus.de/kontakt.html

    Viel Erfolg noch mit diesem Blog!

    • Kohlenmeise permalink
      13. Januar 2012 14:19

      Hey!
      Komm mal zu uns, und opfere par Stunden mit mir zu unterhalten.

      VOn innen ist das nicht so erschreckend! Sogar.

      Hier sieht es so aus, dass wir unter massiven finanziellen und neulich politischen Druck sind.
      Hast Du die zitierte Gesetze und Verordnungen gelesen? Nein? Ich gebe gern den Link – wenn du willst. Dann können wir die ANregungen gegen Nationalbank-gesetz, Richter-Pensionierung sprechen.
      Deffizit-Verfahren gegen Ungarn: ich schicke gern die EUROSTAT links, die die Wahrheit zeigen. Nich Ungarn ist instabil, es sind mehrere Länder, die mit größeren Defizit kämpfen seit 2008 (erfolglos).

      Das Antisemitismus- und nationalismus-Thema ist kein Thema. Heute sprechen die Medien nicht über diese SAchen. Ja, wenn nichts anderes ist, dann sind diese „immer gültigen“.
      Aber was verstehen wir unter Medienfreiheit? Nicht das, dass zB über Antisemitismus der Regierung frei zu sprechen ist? Oh, ja, schon. Dann herscht in Ungarn doch Freiheit in den Medien.

  8. Stefan permalink
    12. Januar 2012 12:46

    I.A.:

    http://www.lepoint.fr/editos-du-point/bernard-henri-levy/et-si-le-sort-de-l-europe-se-jouait-aussi-a-budapest-12-01-2012-1418073_69.php

  9. Zustimmender permalink
    12. Januar 2012 15:42

    „Meine derzeitige Prognose ist, Orbán wird keinen Kompromiss mit dem IWF schließen und auch nicht zurücktreten, der fährt das Land lieber wirtschaftlich an die Wand und gibt den „internationalen Mächten“ die Schuld, die sich „gegen Ungarn verschworen“ haben.“

    Sehr gut. Dieser Auffassung bin ich auch. Es mag vielleicht sein, dass die Regierung doch noch einlenkt, aber die gegenwärtigen Einschätzungen in die Medien, die fast alle eine „Kehrtwende“ prognostizieren oder sogar bereits feststellen, scheint mir doch sehr übereilt und naiv.

    • 17. Januar 2012 08:08

      immerhin die jungle world ist zu einer ähnlichen einschätzung gekommen.
      http://jungle-world.com/artikel/2012/02/44668.html

      bisher scheint sich das zu bestätigen. man muss sich ernsthaft fragen, ob die großen medien eigentlich wissen, worüber sie schreiben. erst ignorieren sie monate lang, wenn nicht sogar jahre lang (das fiel ja nicht vom himmel) die entwicklung in ungarn, und dann sind sie auch jetzt noch auf dem holzweg.

  10. DoDo permalink
    13. Januar 2012 11:22

    Zu begrüssen wäre, wenn sich die vom IWF angekündigte Kompromisslosigkeit zumindest in Bezug auf EU-Kredite nicht nur auf Finanzdinge beschränken, sondern auch die Wiedereinführung grundlegender Elemente der Demokratie wie die Unabhängigkeit der Justiz und Medien- und Pressefreiheit beinhalten würde.

    Ich bin da leider eher pessimistisch. Wenn man ansieht, wie Demokratie in Griechenland geachtet wird, kann man nichts Gutes erwarten. Der IWF oder die Baroso-Kommission wird insbesondere die Orbán’schen Arbeitsrechstreformen, die die Wirtschaftspolitik der künftigen Regierungen knebelnde Defizitverbot und Haushaltsrat, oder die Aufnahme der Einheitssteuer (der Hauptgrund für die Defizite – nicht auf der Ausgabenseite sondern auf der Einnahmenseite) ins Grundgesetz nicht beanstanden. Ich bin da einer Meinung mit Marco Schicker vom Pester Lloyd, der sagte:

    ..was Brüssel jetzt macht, ist ja im Prinzip, mit den Instrumenten eines alten, abgewirtschafteten Systems – also diesem System, was auf Schuldenlogik, auf Zins und Zinseszins beruht – Ungarn wieder unter Druck zu setzen. Orbán hat ja nicht umsonst die Systemfrage aufgeworfen und gestellt, die darin besteht zu sagen, kann es immer so weitergehen, dass wir uns abhängig machen vom internationalen Finanzmarkt, dass wir uns abhängig machen von völlig abgehobenen globalisierten Mechanismen, die gar nichts mehr mit dem eigentlichen demokratischen Prozess und dem Volkswillen zu tun haben. Er hat die Fragen richtig gestellt. Nur wie er sie beantwortet hat, das ist das eigentliche Problem.

    […] Wir sehen ja an der Prioritätensetzung in der EU, die also jetzt krampfhaft versucht, dieses System des Euro und das System der Bankenwirtschaft zu retten, dass die Prioritäten ja nicht so gesetzt sind, dass die demokratischen Grundwerte als Erstes geschützt werden […], sondern dass man sich wieder auf den Binnenmarkt, auf den freien Kapitalfluss kapriziert und so weiter. Solang das so ist, wird man einer Bewegung wie der Orbán’schen rechtsnationalen Bewegung kaum was entgegensetzen können.

    Das Schlimmste wäre, wenn die Fidesz-Regierung jetzt fallen würe, aber eine progressive Regierung danach schnell an eine ökonomische Notlage scheitern würde, um dann die Macht wieder an den Rechten (ein ungeläutertes Fidesz oder, noch schlimmer, Jobbik) abgeben zu müssen.

    • DoDo permalink
      13. Januar 2012 15:42

      Vielleicht sehe ich zu schwarz was Barroso & co betrifft? Index.hu berichtet, das die Kommission weitere Gesetze beanstanden wird, darunter sowohl die Einbetonierung der Einheitssteuer als auch das Arbeitsrecht. Mal sehen.

  11. 13. Januar 2012 12:39

    Glückwunsch zu diesem interview! Habe jetzt auch einen Link von meiner HP auf Puszta Ranger geschaltet.

    Weiter so!

  12. pusztaranger permalink
    14. Januar 2012 12:46

    Vielen Dank für all das positive Feedback, freut mich sehr. Stay tuned.

  13. n. ami permalink
    14. Januar 2012 12:59

    Excellent interview with ARD. Congratulations. Keep it up!

    BTW Pal Schmitt’s plagiarism also made front page news in the Schwaebisches Tagblatt 14.1.

  14. katerli permalink
    15. Januar 2012 23:06

    Tolle Arbeit. Ich bewundere Sie und hoffe, sie werden noch viel mehr Leser finden. Was da in Ungarn abgeht, mitten in Europa, das lässt mich manches mal an der Menschheit zweifeln. Gut, dass es auch Leute wie Sie und Ihre Leser gibt. Das macht Hoffnung. Bleiben Sie am Ball. Alles Gute!

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