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Conchita Wurst im ungarischen EU-Wahlkampf

13. Mai 2014

Die Kommentare der Fidesz-Medien zum ESC-Sieg von Conchita Wurst stehen denen russischer Nationalisten in nichts nach („Das ist die Kultur des Zerfalls, das Ende Europas“); in den staatlichen Fernsehnachrichten vom 12.5. wird die Gewinnerin komplett unterschlagen; dafür machen Jobbik EU-Wahlkampf mit ihr.

Wer hat den ESC 2014 gewonnen? In den M1/Duna-Abendnachrichten vom Montag 12.5. geht es ausschließlich um den ungarischen ESC-Beitrag; die diesjährige Gewinnerin wird dort mit keinem Wort erwähnt.

Die von atv befragten ungarischen Politiker hatten jedoch allesamt von Conchita Wurst gehört und  äußerten sich erwartungsgemäß.  So hält es der KDNP-Fraktionsvorsitzende Péter Harrach „für problematisch, wenn diese bärtige Frau ihren ESC-Sieg positiver Diskriminierung zu verdanken“ habe. „Eine Frau ist schön, wenn sie keinen Bart hat,  und Männer sollen keine Frauenkleider tragen.“ Er sei „zu konservativ, um dies akzeptieren zu können.“

Der Fidesz-Kulturpolitiker László L. Simon hielt das Wahlergebnis  für „seltsam“; die Abstimmung sei nicht nach wirklichen ästhetischen Gesichtspunkten erfolgt. (Zu Simons ästhetischem Empfinden vgl. sein Gedicht von den „Ärschen zerfickter jüdischer Nutten“, s. Post.)
Gábor Staudt (Jobbik) forderte gar eine Überprüfung des ungarischen Juryentscheids, die das Ergebnis „gegen den Willen des Volkes“ manipuliert habe (atv, Video). Womit er jedoch falsch liegt: Die ungarische Jury wählte Conchita Wurst auf Platz 8, aber im Televoting war sie Zweite, so kamen die 10 Punkte aus Ungarn zustande. (hvg)

Die Kommentatoren der Fidesz-Medien äußern sich deutlicher, sie stehen den Kommentaren russischer Nationalisten (vgl. Faz.net: Russische Politiker über den ESC „Das ist das Ende Europas“) in nichts nach:

„Das ist die Kultur des Zerfalls, das Ende Europas. (…) Ja, das ist die eingelöste und endgültige Freiheit.  Man nennt sie: Die Freiheit des Todes“, so der Fidesz-Politologe und Friedensmarsch-Organisator Tamás Fricz im Regierungsmedium  Magyar Nemzet Online.

„Dieser Österreicher lügt uns einfach ins Gesicht. Er zeigt uns (…), dass Ihr Europäer alles schluckt, alles glaubt, was anders ist, als Ihr es seit Jahrhunderten wart (…) Ihr habt den Toleranzkult der Liberalen geglaubt und geschluckt, und nicht gemerkt, dass Ihr statt der Duldung des Andersseins (Umschreibung für Homosexualität)  schon lange das Anderssein an Stelle der normalen, europäischen und christlichen Normen gesetzt habt, das  Anderssein zur Norm geworden ist, und Anderssein Normalität. So habt Ihr Europäer langsam aber sicher Eure eigene Identität, Eure Wurzeln, eure in die Urzeiten zurückreichende normale sexuelle Identität, die Grundlage der Erhaltung der Rasse (faj, sic) verloren – mit einem Wort, Ihr habt alles verloren. (…) Ich konnte Wurst kaum ansehen, weil mich Ekelgefühl und Brechreiz ergriffen. Eben weil das nicht einfach der Auftritt eines Transvestiten war, ein lustiger Gag, den man auf P.C.-Art lieben muss,  sondern weil es ein Betrug und eine Demütigung von (uns) allen war. (…)“

Und an Conchita Wurst gerichtet sagt er: „(…) Lass uns mit deinem Schwachsinn zufrieden! Noch gehört dir Europa nicht.“

Zsolt Bayer („Roma sind Tiere“) stößt im Magyar Hirlap ins selbe Horn und spart ebenfalls nicht mit Ekel-Adjektiven; unter der Überschrift „Europas Identitäten“ schreibt er: „Die Arbeit der Kretins trägt Früchte (…), die schöne neue Welt ist gekommen!“, und bedient – wie auch Jobbik – die Verschwörungstheorie vom manipulierten ESC. (Quelle)

Und Jobbik machen mit Conchita Wurst EU-Wahlkampf:

„Am 25. Mai entscheidest du über Europas Zukunft! Aufbau des liberalen Imperiums und Devianz, oder Zusammenarbeit der Nationen? WÄHLE!“

jobbik_conchita

(cink.hu)

„Ihr Europa – unser Europa.“ (Jobbik, Facebook)

jobbik_conchita2

Update: Bei der Sängerin rechts handelt es sich um die Sopranistin Natália Bálint, die mit Jobbik auftritt und Konzerte im deutschsprachigen Raum gibt ( z.B. hier  und hier).

Update 16.5.2014: dpa-Korrespondent Gregor Mayer auf Facebook: „Und die Hass-Propaganda der Orbán-Medien geht weiter: gestern erschien die Orbánwochenzeitung „Heti Válász“ mit diesem Cover – Titel: „Der Raub (der) Europa(s). Die Schwulen-Lobby gewann den Song-Contest“.“

 

3 Kommentare leave one →
  1. ralfz permalink
    14. Mai 2014 01:11

    Das das braune gesoxe von FIDESS und JOBBIK nicht anders reagiert war ja klar….Diese Eurooa sollte schleunigst den Geldhahn für solche Agitatoren zudrehen…sollen sie doch bei Putin betteln gehen

  2. Don Kichote permalink
    14. Mai 2014 18:45

    Da muss man sich nicht wundern, wenn so viele Ungarn an Herz-Kreislauferkrankungen sterben.

Trackbacks

  1. Conchita Wurst im ungarischen EU-Wahlkampf | dokumentationsarchiv

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