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Zwangsweiterbildung für Arbeitslose: „Wie macht das Schwein?“

15. Dezember 2013

Das für die „Weiterbildung“ der Teilnehmer der öffentlichen (Zwangs)Beschäftigungsprogramme zur „Vermittlung der nötigen Kompetenzen für den Arbeitsmarkt“ verwendete Unterrichtsmaterial  wurde ursprünglich zur Förderung von 6-7jährigen Kindern mit Legasthenie entwickelt. Der Unterricht ist entwürdigend: Laut Teilnehmerberichten werden u.A. Tierlaute abgefragt („Wie macht das Schwein?“).

Vom Modul “Förderung von Grundkompetenzen” sind dieses Jahr etwa 50 000 Teilnehmer betroffen,  zum Großteil Roma. Für 2014 werden 184 Mrd. HUF (613 Mio EUR) für 200 000 Teilnehmer veranschlagt.

Erreicht werden damit die Schönung der Arbeitslosenstatistik, den überstürzten Abruf von erheblichen EU-Mitteln und ihre Verteilung an Fidesz-nahe Subunternehmer, sowie die Dehumanisierung der Armen.

Update zum Post Zwangsweiterbildung für Arbeitslose: Suchen Sie die Himbeere!, 7. Dezember 2013

Dass von der Regierung für Maßnahmen im Bereich der Erwachsenenbildung keine Fachleute konsultiert werden, ist im neuen Gesetz zur Erwachsenenbildung evident, das (nach dem Vorbild der Trafik-Konzessionen?) ein Marktmonopol für den Fremdsprachenunterricht einführt, Unterrichtsmaterial und Lehrplan vereinheitlicht und privaten Fremdsprachenunterricht illegalisiert,  vgl. Hungarian Spectrum:  Yet another lunacy: Law on teaching foreign languages, December 14, 2013

Jetzt hat sich zudem herausgestellt, dass  das für die Weiterbildung der Teilnehmer der öffentlichen (Zwangs)Beschäftigungsprogramme verwendete Unterrichtsmaterial („Zeichnen Sie eine Sonne, wie viele Gabeln sind auf dem Bild zu sehen, suchen Sie die Himbeere“)  ursprünglich zur Förderung von 6-7jährigen Kindern mit Legasthenie entwickelt wurde, so das Portal Index.

Das István Türr-Institut des Ministeriums für Nationale Ressourcen adaptierte zu diesem Zweck Unterrichtsmaterial nach der Methode der Heilpädagogin Ildikó Meixner (1928-2000). Jetzt hat sich die Meixner-Stiftung in einer Presseerklärung ausdrücklich und „mit Besorgnis“ distanziert: Die unsachgemäße und zudem schlechte Adaption der gemeinfreien Materialien sei für den Erwachsenenunterricht nicht geeignet. „Die Meixner-Methode wurde bislang nicht für den Unterricht mit Erwachsenen angewendet, diesbezüglich liegen keinerlei Erfahrungen vor.“

Das Programm für 24 Mrd. HUF (ca. 80 Mio. EUR), zum Großteil aus EU-Mitteln,  sieht zwei Monate Arbeit und 438 Stunden Weiterbildung über die vier Wintermonate vor; vom Modul “Förderung von Grundkompetenzen” sind dieses Jahr etwa 50 000 Teilnehmer betroffen. Für 2014 werden bereits 184 Mrd. HUF (613 Mio EUR) für 200 000 Teilnehmer veranschlagt, die „nicht die nötigen Kompetenzen für den Arbeitsmarkt besitzen“. (Index)

Grundkompetenzen für den Arbeitsmarkt: Grunzen wie ein Schwein, Brummen wie ein Bär

Der Vorsitzende der Gewerkschaft für Teilnehmer öffentlicher Beschäftigungsprogramme (Közmunkás Szakszervezet) László Kordás berichtet von Fällen, in denen Teilnehmer, die nicht selten Abitur haben, beim Unterricht gefragt werden, „ob sie wissen, wie der Bär und wie das Schwein macht.“ So geschehen in Putnok. (stop.hu)

In Rakaca wurde ein Teilnehmer beim Einstufungstest gefragt, ob er wisse, „wo das Schneeglöckchen wächst“. Er antwortete: „Das weiß ich, ich bin nicht dumm, sondern arm.“

Auch die Pädagogen werden durch diese Unterrichtsanforderungen entwürdigt. László Kordás sind Fälle bekannt, wo Lehrer sich in der ersten Stunde bei ihren erwachsenen Schülern dafür entschuldigten, was folgen würde.

Eine Frau aus Debrecen berichtet, statt Rechnen werde ihnen aus einem Lehrbuch für Erstklässler die Zahlen beigebracht. Gerade seien sie dabei, die Zahlen von 1-5 zu schreiben.

Das Programm dauert noch vier Monate, etwa bis zu den Parlamentswahlen. Es ist keine Rede davon, den Lohn der Teilnehmer von 47 000 HUF (156 EUR) auf den Minimallohn anzuheben.
(stop.hu)

“Schreiben Sie die Zahlen von 1-5!”

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12 Kommentare leave one →
  1. Don Kichote permalink
    15. Dezember 2013 15:05

    Wie würde Orbán reagieren wenn man Ihm diese Fragen stellt, würde er grunzen? Köver würde auf jeden Fall seine Armee schicken und eine saftige Geldstrafe gäbe es oben drauf. Was für die einen eine Beleidigung ist ist für die anderen auch eine Beleidigung. Und dass alles nur um die Statistik zu schönen und um Gelder abzugreifen. Und dann gibt es noch spezielle Leuchten die um den Ruf der Magyaren besorgt sind. Hat nicht ein ungarischer Dramaturg etwas über das Grunzen geschrieben?

    • pusztaranger permalink
      15. Dezember 2013 18:37

      Eine Antwort auf die Frage „Wie macht das Schwein“ ist tatsächlich in der nationalen Hochkultur zu finden.

      • Don Kichote permalink
        16. Dezember 2013 13:44

        Dann würde es mich noch mehr interessieren ob Orbán und Köver grunzen würden auf die Frage „wie das Schwein macht.“. Fritzchen würde antworten braun.

  2. 16. Dezember 2013 11:24

    Hat dies auf ARTBRUT rebloggt.

  3. Hunor permalink
    16. Dezember 2013 21:10

    Pusztaranger, woher stammt dieses Foto?? Welches Stück, besser gesagt Machwerk, soll dort dargestellt werden? Und woher kommen Sie auf die Idee, das Ganze habe irgendetwas mit der „nationalen Hochkultur“ zu tun?

    • pusztaranger permalink
      16. Dezember 2013 22:13

      Das ist aus dem Oratorium „Johanna auf dem Scheiterhaufen“, Uraufführung neulich im Ungarischen Nationaltheater, inszeniert vom neuen Intendanten Attila Vidnyánszky. Mehr dazu hier.

  4. Hunor permalink
    18. Dezember 2013 15:01

    Alles nur Etikettenschwindel, Pusztaranger. Das Ungarische Nationaltheater wird nicht von Ungarn betrieben, die Ungarische Nationalbank hat nichts Ungarisches an und in sich, im ungarischen Parlament findet man von ganz exotischen Ausnahmen abgesehen auch keine Ungarn, und bei der ungarischen Presse und Radio/TV ebensowenig. Auch die ungarische Polizei hat nicht das Geringste mit ungarischen Belangen zu tun, ebensowenig wie der ungarische Geheimdienst. Auch die ungarische Schulpolitik hat nichts Ungarisches an sich. Aber all dies dürfte auch Ihnen bekannt sein, vermute ich mal. Man weiß eben, wer die Strippenzieher und Schmutzfinken sind, die wie ein Geschwür das ganze Land verseuchen. Aber ich hoffe nur, der Spruch „der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht“, sich auch hier bewahrheiten wird.

    • Don Kichote permalink
      19. Dezember 2013 11:34

      Hunor, Sie sind ein echter Ungar.

  5. Hunor permalink
    19. Dezember 2013 18:50

    Don Kichote, auch wenn Sie das natürlich nur ironisch gemeint haben, bin ich mir sicher, eher ein „echter“ Ungar zu sein, als die oberste und mittlere Leitungsebene der genannten Institutionen, sowie die rückgratlosen Mitläufer und Judasse darunter. Es ist allseits bekannt, dass genannte Institutionen seit Jahrzehnten (und nicht erst seit 1989, aber seitdem umso hemmungsloser) nicht im Dienste der ungarischen Interessen agieren, sondern vielmehr im direkten Gegensatz zu Ungarns Interessen. Im Westen schüttelt man hierob zwar nur den Kopf, aber man kann sich hierzulande einfach nicht vorstellen, dass das gesamte System nicht dem Ziel dient, welchem zu dienen es vortäuscht, sondern in perfider und durch und durch verlogener Weise mit Volldampf an der Zerstörung des Landes arbeitet. Auf diesem Weg sind die Betreiber dieser strategisch geplanten Kampagne schon leider sehr weit fortgeschritten.

    • Don Kichote permalink
      24. Dezember 2013 10:18

      Wenn wir uns jehmals in einem Punkt einig sind dann ist es der, das diese Politik und diese Politiker und diese Menschen in der Art von Attila Vidnyánszky nicht das Interresse des Staates für alle Mitbürger vertreten. Dazu sind sie zu egoistisch zu machtgeil und zu borniert und wenn ich mich ganz weit aus dem Fenster lehnen wollte würde ich sagen sie sind zu dumm und zu ungebildet und sie haben kein Niveau und keine Klasse, aber ich will mich nicht aus dem Fenster lehnen. Also schreib ich lieber „die“ sind modern, sie erfinden das Rad ganz neu, sind immer auf der höhe der Zeit, sie sind mitfühlend und aufopfernd, beständig, schlau und verlässlich. Doch sind sie damit noch nicht zufrieden.

  6. 29. Januar 2014 15:07

    Hat dies auf monopoli rebloggt und kommentierte:
    Sehr bedauerlich was da in Ungarn passiert.

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